Neues Verständnis von Fettsucht und Diabetes
Lehrbuchmeinung widerlegt: Neues Verständnis von Fettsucht und Diabetes
Forscher weisen Protein zur Fettaufnahme in Zellen nach
Einem Wissenschaftsteam der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg (MUH) http://www.klinikum.uni-heidelberg.de ist es unter der Leitung von Wolfgang Stremmel, Abteilung Gastroenterologie, gelungen nachzuweisen, dass die Aufnahme von Nahrungsmitteln im Darm völlig anders funktioniert, als bislang angenommen. Das so genannte "Fatty Acid Transport Protein 4" (FATP4) spielt bei der Fettaufnahme eine zentrale Rolle. "Es ist nach unseren neuesten Erkenntnissen kein Transporter, sondern ein Enzym, wobei dessen Ende mit Membranen assoziiert werden muss", so Joachim Füllekrug, Innere Medizin IV, AG Molekulare Zellbiologie der MUH, im Gespräch mit pressetext.
Aus diesem Grund kann es keine Fettsäuren ins Innere der Zellen transportieren. Zu diesem Schluss kommen die Forscher entgegengesetzt zu vorherrschenden Lehrbuchmeinungen, da sich das FATP4 nicht an der Oberfläche der Darmschleimhautzellen befindet. Vielmehr ist es direkt in den Zellen lokalisiert und sorgt als Enzym dafür, dass die Fettsäuren für eine Weitergabe an den Blutkreislauf aufbereitet werden. "Das ist der Knackpunkt, wenn es um die zukünftige Entwicklung von neuen Strategien zur Behandlung von Fettsucht und Diabetes geht", so Füllekrug.
Damit hat diese Erkenntnis auch Auswirkungen auf die Entwicklung neuer Therapie- und Behandlungskonzepte: Krankheiten wie Fettsucht und Diabetes, bei denen eine übermäßige Aufnahme von Nahrungsfetten unterbunden werden soll, können in ihren medikamentösen Linderungs- und Heilungsmöglichkeiten somit angepasst und weiterentwickelt werden. Die erst kürzlich in der Wissenschaftszeitschrift "Journal of Cell Science" http://jcs.biologists.org publizierten Ergebnisse machen deutlich, dass "nun die Lehrbücher umgeschrieben werden müssen", erläutert der Experte. Die Erkenntnisse sind deshalb neu, da bereits seit 1994 und fünf Jahre später eine amerikanische Arbeitsgruppe in der Zeitschrift "Molecular Cell" http://www.molecule.org feststellte, dass sich das FATP4-Transportprotein auf der Oberfläche der Zelle befindet.
Mittels hoch auflösender Mikroskope konnte der Beweis erzielt werden, wie genau die molekularen Mechanismen der Fettsäureaufnahme im Darm funktionieren. Die Spezial-Mikroskopie-Aufnahmen ermöglichten die Fettaufnahme von einzelnen Zellen untersuchen zu können. Das Wissen über das FATP4-Protein ermöglichen weitere Rückschlüsse auf andere Organe und Gewebetypen. Folglich könnte es sein, dass sich die Proteine auch in der Leber sowie dem Fettgewebe innerhalb der Zellen und nicht auf ihrer Oberfläche wieder finden lassen. Laut Füllekrug wird somit nicht nur der Fettgehalt im Blut anders beeinflusst, als man bislang dachte. Vielmehr dient dieses Wissen auch für die zukünftige Entwicklung neuer Medikamente. Der Forscher weist darauf hin, dass zukünftige Medikamente vielmehr systemisch, als wie bisher oral, verabreicht werden müssen. Dass dies jedoch noch schwierig und immens komplex ist, wird vor dem Hintergrund einer effizienten Durchdringung neuer Substanzen durch die Membranwand deutlich. Erst im Erfolgsfall könnte damit das Enzym auch wirkungsvoll erreicht und in seiner Funktion gesteuert werden. (Ende)
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