Kampf gegen tödliche Lungenentzündung bei Kindern

2,2 Mio. Todesopfer jährlich: Forscher erarbeiten kosteneffektive Maßnahmen

Genf/Wien (pte/21.05.2009/13:45) - Bessere Nahrung, verminderte Luftverschmutzung in Innenräumen und Impfungen: Das wären nach Ansicht von Experten der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health http://www.jhsph.edu die einzigen "kosteneffektiven" Möglichkeiten die Sterberate von Kindern, die an Lungenentzündung erkranken, dramatisch zu senken. Jährlich fordert Pneumonie weltweit 2,2 Mio. Todesopfer. In den armen Ländern ist diese Erkrankung die häufigste Todesursache unter Kleinkindern. Die Kombinationsstrategie könnte die Kindersterblichkeit um 17 Prozent und die Pneumonie-Todesfälle um 90 Prozent reduzieren, schreiben die Forscher im Bulletin der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Gemeinsam mit der WHO und anderen öffentlichen Gesundheitsorganisationen haben die Forscher um den Mediziner Louis Niessen Berechnungen angestellt, mit welchen Methoden man die Sterblichkeitsrate unter Kleinkindern deutlich reduzieren kann. Effektive Maßnahmen sind die Empfehlung zum Stillen der Kleinkinder, die zusätzliche Gabe von Zink-Präparaten sowie die Impfung gegen H-Influenza Typ B und Pneumokokken. Diese wären nach Ansicht der Forscher die kostenintensivsten Interventionen. Das Verbrennen von Holz und anderen festen Brennstoffen in Wohnräumen - zum Kochen oder zum Heizen - wie es in vielen Entwicklungsländern geschieht, ist ein weiterer großer Risikofaktor für Kleinkinder und trägt zu 20 Prozent zur Entwicklung der Erkrankung bei.

"Die Interventionen, die wir untersucht haben, existieren bereits, sind allerdings nicht vollständig in den Entwicklungsländern implementiert", so Niessen. Der Vorteil der Anwendungen liege darin, dass hier keine neue Infrastruktur geschaffen werden muss. "Die Bereitstellung von Geldmitteln und die Umsetzung dieser Maßnahmen könnten uns einen Schritt näher bringen, das UN-Millennium-Ziel der Senkung der Kindersterblichkeit zu erreichen."

Dass die Lungenentzündung zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern unter fünf Jahren in den Entwicklungsländern gehört, bestätigt auch Anita Sackl, Ernährungsexpertin bei der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen http://www.aerzte-ohne-grenzen.at , im pressetext-Interview. "Neben der Pneumonie gehören auch Durchfallserkrankungen zu den am häufigsten auftretenden Krankheiten", so Sackl. Ein großes Problem in diesem Zusammenhang sei die chronische Unterernährung, die schließlich zu einer schlechteren Immunabwehr und Lungenentzündungen und Durchfall führe. "Damit beginnt der Teufelskreis, denn in diesem Zustand nehmen die Kinder zuwenig wichtige Nährstoffe zu sich." Die Folge davon sei schwerste Unterernährung. Die Hilfsorganisation setzt hier auf die Verabreichung von Ready-to-Use-Food, das hoch kalorisch ist und sämtliche wichtigen Nährstoffe enthält und damit den Genesungseffekt unterstützen kann. "Wir verzichten aufgrund der zusätzlichen Infektionsgefahr auf den Einsatz von wasserlöslichen Nahrungsmitteln für Kleinkinder", erklärt Sackl abschließend.